Urbild
Kap.1:   ALS DIE BILDER SPRECHEN LERNTEN


Figur-Index

   Fig.1: Alte Bilder, Urbilder für Buchstaben

  Am Anfang war das Bild. Die Höhlenbilder in Frankreich und Spanien entstanden vor mehr als fünfzehntausend Jahren. Sie sind eindrucksvolle Zeugnisse menschlichen Bemühens, in Bildern zu sprechen. Bilder versteht jeder Mensch, unabhängig von der Lautgebung seiner Muttersprache. Das Bild-Verständnis überdauert den Lauf der Zeiten. Die Bild-Inschrift überlebt den Schreiber.

  Den chinesischen Schriftzeichen sieht man ihre einheitliche Entwicklung aus einem Satz von chinesischen Urbildern noch deutlich an (Applet 4, "Chinesisch 11. Jhv."). Den lateinischen Schriftzeichen, die aus dem phönizischen Alphabet (Kapitel 2) und Vorläufern aus dem Mittelmeerraum und angrenzenden afrikanischen und asiatischen Einflußgebieten entstanden sind, kann man ihre Urbilder nur zuordnen, indem man sich in die Welt der Schreiber versetzt und versucht, jedes ihrer Zeichen bis in das Herkunftsgebiet zurückzuverfolgen, siehe Kapitel 4, 5.

  Die Suche nach dem "Ursprung des Alphabets" (K. Sethe, K. Ges. d. Wiss., Göttingen, 1916) hat in den letzten hundert Jahren durch Auswertung und Vergleich archäologischer Befunde (C. Faulmann, KK. Staatsdruckerei, Wien, 1880) spektakuläre Erfolge erzielt. Universelle Standardwerke zur Schriftkunde (H. Jensen, V. d. Wiss.: Berlin 1935. H. Haarmann, Campus V.: Frankfurt 1990) finden ein breites Publikum.

  In der folgenden Figur 1 sind 24 alte Bilder aus dem 20-ten bis 3-ten Jahrtausend v. Chr. zusammengestellt, die nach vergleichenden Untersuchungen dieser Arbeit (Kapitel 2, 4, 5) direkt oder indirekt als Vorläufer der Alphabet-Bilder in Frage kommen. Aus der Literatur bekannt sind diese oder ähnliche Bildzuweisungen für die Buchstaben
                 A, D, F, I, J, M, N, O, R, S, T.
Nur zum Teil gestützt durch vorangehende Hinweise in der Literatur sind die vom Autor vorgeschlagenen Bildzuweisungen für die Buchstaben
                 C, E, G, H, K, P, Q, U, V, W, t. 
Nicht gestützt durch vorangehende Hinweise in der Literatur sind die vom Autor vorgeschlagenen Bildzuweisungen für die Buchstaben
                           B, L, X, Z.
Den einzigen im Lateinischen fehlenden phönizischen Buchstaben bezeichnen wir mit kleinem Buchstaben
  t=DH=TH, altkanaäisch taJATU, hebräisch tAIT, griechisch taTA.
   Fig.1
Fig.1hi.gif:      Alte Bilder, Urbilder für Buchst.Fig.1lo.gif:      Alte Bilder, Urbilder für Buchst.
Fig.1: Alte Bilder, Urbilder für Buchstaben


  Figur 1 zeigt alte Bilder als mögliche Urbilder für lateinische Buchstaben. Das lateinische Alphabet wurde auf seinen ursprünglichen phönizischen Bestand reduziert und in die über das Hebräische überlieferte ursprüngliche phönizische Reihenfolge gebracht.
  Während ihrer 500-jährigen Entwicklung vom phönizischen zum lateinischen Alphabet haben einige Buchstaben Lautveränderungen erfahren. Diese Lautveränderungen werden durch kleine Buchstaben oder Kombinationen von Buchstaben zum Ausdruck gebracht:
   w=B=W, g=GH=GK, h=HE, Y=UE, z=S(weich), k=KH, a=A/E(kurz)=AE,
   c=CH,   n=NG,   o=O(kurz)=OE,   p=PF=PH,    j=DJ=TJ,    s=SH.
  In Konsonanten-Schriften, z.B. Phönizisch, bezeichnet a das Vokalzeichen, das nicht geschrieben, sondern nur gesprochen wird.
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   Kap.2